Musikwissenschaft/Musikpädagogik in der Blauen Eule / Band 88
Andreas Kloth
Der russische Komponist Vjačeslav Artëmov
Ein Beispiel für die politisch und gesellschaftlich bedingte Rezeption nonkonformistischer sowjetischer Komponisten
Essen 2009, 466 Seiten, 39,- € [D], ISBN 978-3-89924-244-7
Der Komponist Vjačeslav Artëmov (*1940) ist neben den in Deutschland bekannteren Komponisten
Ėdison Denisov, Alfred Šnitke und Sofija Gubajdulina einer der Hauptvertreter der sowjetischen nonkonformistischen Komponisten der 1960er bis 1980er Jahre. Seine Werke finden internationale Beachtung. Der Autor zeichnet die gesellschaftlichen und politischen Einflüsse auf das Werk und die nationale und internationale Karriere des Komponisten nach. Dabei lassen sich die Schwierigkeiten nonkonformistischer Künstler in der Sowjetunion ebenso nachvollziehen wie das eben dadurch gesteigerte Interesse an ihnen im Westen. Auch der wirtschaftliche und politische Zusammenbruch der Sowjetunion hat durch einen Kollaps der Kulturförderung Spuren im Werk hinterlassen.
Der Autor stellt die These auf, dass es in Folge des Kampfes der Gesellschaftssysteme um die Interpretationshoheit über die Kunst des jeweils anderen Systems zu einem Rezeptionsfehler bei der Wahrnehmung der nonkonformistischen Komponisten gekommen ist. Er belegt diese These anhand eines Vergleiches von Aufführungen an verschiedenen Moskauer Spielorten.
Dieses Buch enthält darüber hinaus ein ausführliches Verzeichnis der Werke Artëmovs sowie ein Aufführungsverzeichnis.
Andreas Kloth studierte Schulmusik in Dortmund und Birmingham. Forschungsaufenthalte in Moskau und St. Petersburg. 2007 Promotion in Musikwissenschaften bei Prof. Dr. Michael Stegemann. Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.
Weitere Arbeitsschwerpunkte im Bereich transkultureller Musikerziehung.